e.GO-Chef Günther Schuh: „In Sparkassen-Deutschland muss man die Finanzierung kämpfen“

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Günther Schuh, Chef des Aachener Elektroauto-Startups e.GO Mobile, hat sich in einem Interview detailliert zu den Zukunftsplänen des Unternehmens geäußert, auch zum geplanten Joint Venture mit einem chinesischen Unternehmen. Von Deutschland zeigt sich der Aachener Professor enttäuscht.

Es waren aufregende Wochen für e.GO Mobile und Günther Schuh. Wie Ende Dezember bekannt wurde, stand der Aachener Elektroauto-Hersteller im Oktober 2019 kurz vor der Insolvenz, lediglich nachgeschossene Gelder von Investoren konnten die Zahlungsunfähigkeit verhindern. Im Januar gab das 2015 gestartete Startup an, mit einem chinesischen Unternehmen ein Joint Venture gründen zu wollen, das eine China-Version des e.GO Life produzieren soll. Zwischen Beinahe-Pleite und dem potenziell wichtigen Zukunfts-Deal lagen nur wenige Wochen.

Ausgestanden sind die Geldprobleme aber immer noch nicht, denn die 100 Millionen Euro müssen bis Ende März an die Aktionäre zurückgezahlt werden – sonst haben die Anteilseigner das Recht, ihre Forderung in Stammaktien umzutauschen. In einem Interview mit dem „Focus“ gab sich Schuh nun zumindest in dieser Hinsicht entspannt. Es sei gar nicht gesagt, dass die Gesellschafter diese Option ziehen würden. „Sie könnten das Darlehen genauso gut weiterlaufen lassen“, so Schuh. „Aber selbst wenn alle vom Recht der Wandlung in Aktien Gebrauch machen würden, hätte keiner eine Sperrminorität.“

Interessant sind auch die Summen, die Schuh nennt. Bisher habe e.GO Mobile 310 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Den Finanzbedarf, um „auf eigenen Füßen“ stehen zu können, gab Schuh mit 105 Millionen Euro an. „Davon haben wir über 50 Millionen als Eigenkapital von unserem chinesischen Partner sicher“, sagte der e.GO-CEO. „Die Verträge sind unterschrieben, der Transfer des Geldes ist im Gang.“ Für die restlichen 55 Millionen Euro rede man mit „sechs weiteren potenziellen Investoren“, Namen nannte Schuh nicht. Auch nicht zu dem immer noch nicht bekannten China-Partner. Es soll sich um einen privatwirtschaftlichen, börsennotierten Hersteller handeln. Sobald das Unternehmen die Börsen über das Joint Venture informiert habe, könne man den Namen nennen, so Schuh.

In diesem Jahr soll laut den Plänen noch ein Verlust von 20 bis 60 Millionen Euro anfallen, bereits 2021 will Schuh einen positiven Cash Flow erzielen und hofft, damit gegenüber den Banken kreditwürdig zu werden. Die immer wieder anstehenden Finanzierungsrunden, über die sich e.GO Mobile bislang finanziert, bezeichnete Schuh als „aufreibend“.

Während Schuh wegen der Finanzierungsrunden in Europa alle sechs bis neun Monate Investoren überzeugen und seine Strategie überdenken muss, sind die Pläne in China offenbar langfristiger angelegt. Wie Schuh angibt, werde e.GO anfangs 40 Prozent an dem Joint Venture halten, nach fünf Jahren sollen die Anteile langsam steigen, bis in sieben oder acht Jahren beide Partner jeweils die Hälfte halten. In der ersten Phase bringt e.GO lediglich eine Million Euro ein, obwohl in das gesamte Werk (der Standort ist noch nicht bekannt) 140 Millionen Euro investiert werden. Der Cash Flow aus den ersten Verkäufen soll in weitere Modellvarianten investiert werden.

In dem Interview sprach Schuh ungewohnt offen über die Details der Vereinbarung. „Wir bekommen Geld für das Know-How und die Entwicklungsleistungen, die wir einbringen“, sagte Schuh beispielsweise. „Außerdem bekommen wir für jedes verkaufte Auto Lizenzgebühren, egal, ob das Gemeinschaftsunternehmen Geld verdient oder nicht.“ Wegen der hohen Kostendisziplin bei der Entwicklung des e.GO Life sei es mit einigen Abwandlungen möglich, das Fahrzeug 30 bis 35 Prozent günstiger anzubieten als in Deutschland. „Wenn die Produktion hochläuft, wollen wir unter 10.000 Euro kommen“, so Schuh.

Schützenhilfe von VW?

Dass diese Produktion nicht in Deutschland möglich ist, scheint Schuh etwas zu grämen. Vor allem mit der Finanzierungs-Kultur, die sich auch bei dem Münchner Startup Sono Motors als Problem erwiesen hat, hadert Schuh. „In Kalifornien oder China bekommen Auto-Startups, wenn sie in die Phase der Industrialisierung gehen, schon einmal 1,5 oder 2,5 Milliarden Dollar von ihren Geldgebern“, so der Aachener Professor. „In Sparkassen-Deutschland muss man um jede 100 Millionen Euro kämpfen.“ Die konkrete Frage, ob er angesichts seiner heutigen Erfahrung sich nochmals auf ein Abenteuer wie e.GO Mobile einlassen würde, verneinte Schuh.

Eine Art Unterstützung aus Deutschland könnte aber womöglich bald kommen, und zwar aus Wolfsburg. Vor rund einem Jahr hieß es auf dem Genfer Autosalon, e.GO Mobile könne für Volkswagen den Elektro-Buggy auf MEB-Basis produzieren. „Die Gespräche über das Thema machen Fortschritte“, sagte Schuh. „Ich wette, dass Diess auf dem Autosalon Anfang März dazu eine Ankündigung machen wird.“
focus.de

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Dieser Blog Artikel wurde auf Automobil – electrive.net veröffentlicht.

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