Faktencheck & Antworten zu wichtigen E-Mobilitäts-Fragen

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Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat einen Faktencheck und Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Elektromobilität erstellt. Vor dem Hintergrund der zwischen 2020 und 2030 entscheidenden Markthochlaufphase wolle man einen Überblick zu kontrovers diskutierten Fragen entlang der Batterie-Wertschöpfungskette liefern und den bestehenden Handlungsbedarf in diesem Zeitraum formulieren.

Die Fraunhofer-Forscher haben für ihre Auswertung in einer Meta-Literaturanalyse Fremd- und Eigenstudien analysiert, um 12 zentrale Fragen zu beantworten. Das Fazit: Der breiten Marktdiffusion von Elektroautos zwischen 2020 und 2030+ stehe nichts im Wege, allerdings gebe es noch zahlreiche Herausforderungen. Einige der Ergebnisse:

Wie entwickeln sich Batterien & welche Reichweiten sind zu erwarten?

In den letzten zehn Jahren habe sich die Energiedichte großfor­matiger, in E-Pkw eingesetzter Lithium-Ionen-Batteriezellen fast verdop­pelt und könnte sich bis 2030 nochmals verdoppeln. Um damit reale Reichweiten über 600 Kilometern zu erreichen, seien neben der Weiterentwicklung der Zellen auch raum- und gewicht­einsparende Innovationen und Strategien bis auf die Batterie-Systemebene sowie im Fahrzeug erforderlich. Die Akzeptanz und Nachfrage durch E-Pkw-Käufer werde sich mit der Reichweite ebenso wie mit der zunehmenden Wirtschaftlichkeit und parallel entstehenden Ladeinfrastruktur im kommenden Jahrzehnt weiter verbessern.

Ist die Umweltbilanz von E-Pkw besser als bei konventionellen Pkw?

Die Klimabilanz aktueller E-Pkw falle gegenüber konventionellen Pkw über die gesamte Nutzungsdauer deutlich besser aus. Werden bei der Batterieproduktion und beim Fahren zukünftig noch mehr erneuerbare Energiequellen eingesetzt, verbessere dies die Umweltbilanz weiter. Wie alle Pkw hätten aber auch Elektroautos negative ökologische Auswirkungen, die es weiter zu verringern gelte – unter anderem auch durch ein verändertes Mobilitätsverhalten.

Führt die Elektromobilität zu Arbeitsplatzverlusten?

Insgesamt deuteten viele Studien auf einen Beschäftigungsrückgang in der Automobil- und Zulieferindustrie hin. Die Arbeitsplatzeffekte in der Batteriezellproduktion selbst seien zwar limitiert, jedoch die sich aus den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten ergebenden Arbeitsplatzeffekte relevant – und daher die Ansiedlung von Zellherstellern wichtig. Den Arbeitsplatzverlusten in der Automobil- und Zulieferindustrie stünden Arbeitsplatzgewinne in anderen Bereichen wie der Stromproduktion und -verteilung oder dem Aufbau einer Ladeinfrastruktur gegenüber. Besonders vom Strukturwandel betroffene Regionen und Unternehmen müssten gegebenenfalls durch industrie- und arbeitsmarktpolitische Maß­nahmen unterstützt werden, damit – gemeinsam mit natürlicher Altersfluktuation – der Strukturwandel sozialpolitisch verträglich gestaltet werden kann.

Sind E-Fahrzeuge wirtschaftlich?

In der Anschaffung seien E-Fahrzeuge heute ohne Förderung noch teurer als konventionelle Fahrzeuge, die Anschaffungskosten hätten sich aufgrund sinkender Batteriepreise in den letzten Jahren jedoch stark reduziert. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen und bis etwa 2025 könnten die Anschaffungspreise auf einem ähnlichen Niveau liegen. Aufgrund geringerer Nutzungskosten würden E-Fahrzeuge teilweise schon heute bei den Gesamtkosten besser abschneiden. Zudem würden Kaufprämien dabei helfen, die Kostendifferenz bei der Anschaffung zu reduzieren. Bei den Wiederverkaufswerten existierten noch Unsicherheiten. Die Vorteilhaftigkeit bei den Gesamtbetriebskosten sollte dem Endkunden verdeutlicht werden, da heute bei Kaufentscheidungen oft der Anschaffungspreis im Vordergrund steht.

Reicht die Strommenge & sind die Stromnetze für die E-Mobilität gerüstet?

Die verfügbaren Strommengen in Deutschland reichten in den nächsten Jahren für E-Fahrzeuge aus und seien für den Ausbau der E-Mobilität kein Hindernis. Die Stromnetze müssten nur partiell für E-Fahrzeuge ausgebaut werden, da sich das Laden oft zeitlich entzerrt. Lademanagement vermindere weiterhin einen Netzausbau und sollte deshalb gefördert werden. Der Ausbau der Netze finanziere sich über die bestehenden Netznutzungsentgelte für Strom.

Was passiert mit den Altbatterien?

Das Recycling von Fahrzeugbatterien gelte mittlerweile als technisch machbar und werde industriell in Pilotanlagen umgesetzt. Die Forschungsarbeit hin zu wirtschaftlichen sowie energie- und materialeffizienten Recyclingprozessen sei jedoch vor dem Hintergrund der sich ändernden Zellchemien nicht abgeschlossen. Die aktuelle Gesetzeslage zum Batterierecycling werde dem für die nächsten Jahre erwarteten deutlichen Anstieg im Altbatterieaufkommen in Europa nicht gerecht und daher derzeit überarbeitet.

Die Wissenschaftler des Fraunhofer ISI haben darüber hinaus die folgenden Aspekte beleuchtet:

  • Welche Maßnahmen können die sozialen und ökologischen Auswirkungen verbessern?
  • Reichen die Rohstoffe global aus?
  • Welche Faktoren sind für eine wettbewerbsfähige Zellfertigung wichtig?
  • Gibt es Lieferengpässe entlang der Wertschöpfungskette?
  • Wie entwickelt sich die Ladeinfrastruktur?
  • Welche Rolle spielt die Zweitnutzung von Fahrzeugbatterien?

Mehr zu allen behandelten Fragen erläutert das Fraunhofer ISI hier (PDF).

Dieser Blog Artikel wurde auf ecomento.de veröffentlicht.

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